Am Freitag war ich (auf Einladung von Turtle Entertainment, dem Veranstalter) hier in Berlin bei der Intel Friday Night, einem der großen Live Events der ESL im Berliner Postbahnhof oder um es zu erklären, ich habe mir eines der größeren Events einer Sportart angesehen, bei der außer der Teilnehmer selbst kaum jemand versteht, dass das Sport sein kann, nämlich eSports. Es geht dort im Wesentlichen darum verschiedene Spiele auf professioneller Ebene gegeneinander zu spielen und nach eigenen Angaben verfügt die Szene mit über 790.000 Mitgliedern der Liga inzwischen über größeren Zulauf, als der deutsche Basketball. Zahlenmäßig bedeutet das dann so viel, dass eSport hinter Volleyball jetzt auf Platz 16 der organisierten Sportarten landet, was aus meiner Sicht absolut überraschend ist, für einen Sport, der öffentlich ungefähr die Wahrnehmung des Gummistiefelweitwurfs hat.
Der ganze Trend zum professionellen Computerspielen kommt (wenig verwunderlich) aus Asien, wo, besonders in Korea, einzelne Spieler als Stars gefeiert und bewundert werden und die Übertragung solcher Ereignisse im Fernsehen längst zum Standard geworden ist und große gesamtgesellschaftliche Aufmerksamkeit genießt. In Deutschland kann man in der Branche vielfach Stimmen hören, die ein ähnliches Wachstum auch hier vorher sagen, bisher sehe ich das Ganze jedoch eher als Nischenbeschäftigung an. Das hat aus meiner Sicht vor allem 2 Gründe: zum einen werden Computerspiele und ihre Konsumenten (durchaus mit einigem Recht) eher skeptisch und gesellschaftlich eher randständig beurteilt und zum anderen ist das Interesse einer breiten, gesellschaftlichen Masse schlicht nicht gegeben. Diverse Versuche, mit Fernsehsendern wie GIGA 2, die Übertragung solcher Spiele zu etablieren, dürften wohl als gescheitert angesehen werden. Wahrscheinlich sind es auch die Disziplinen, also die gespielten Spiele, die allesamt mehr als martialisch sind, die die Aufmerksamkeit und das Interesse gering halten.
Aus meiner Sicht und vor allem auch nach dem Eindruck vom oben erwähntem Live-Event ist das alles nur zu verständlich. Zum einen ist die Zielgruppe, die erfolgreiche Spieler wie Fußballstars bejubelt, wirklich äußerst speziell (Frauenanteil von gefühlt unter 10%, Alter bis max. 20 Jahre) und damit auch wenig breitentauglich, zum anderen ist der Zugang zu diesem Thema, in dem jedes Spiel seine eigene Sprache hat, die selbst den Fans eines anderen Spiels nicht geläufig ist und auch mir (obwohl ich in der Gamesbranche arbeite) weitesgehend verschlossen bleibt eine Hürde, die zu nehmen schon großes Engagment bei Interessenten voraus setzt. Ich bin persönlich wirklich gespannt, wie das weitergeht und würde eine Öffnung der Szene in die Breite wirklich begrüßen (da damit auch die Akzeptanz der gesamten Branche wachsen könnte), allein, es fehlt mir ein wenig der Glaube.


